STRATEGISCHE FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE

2015 verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung. Mit ihr drückt die internationale Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Die Agenda 2030 mit 17 definierten Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG’s, Sustainable Development Goals) stellt eine Grundlage dafür dar, wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten – und dies weltweit („Leaving no one behind“).

Die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung kann allerdings nur gelingen, wenn nicht nur die Ziele, sondern zugleich auch zentrale Treiber eines solchen globalen Wandels betrachtet werden. Diese lassen sich in drei Kategorien zusammenfassen: technische Umbrüche, veränderte Ordnungssysteme und Leitbilder im Wandel . Diese Treiber nehmen auf sämtliche Prozesse nachhaltig Einfluss. Sie verändern, beschleunigen, verlangsamen Transformationsprozesse, oder richten sie gar ganz neu aus: Der Begriff der Nachhaltigkeit selbst unterliegt der Transformation.

Das Ziel des Innovations-Campus Bonn (ICB) ist es, diese Dynamiken inter- und transdisziplinär in drei Forschungsschwerpunkten zu erforschen:
Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Mobilität und Migration, und Bioökonomie.

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Technologische Umbrüche

Die gegenwärtige wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen – in allen Bereichen der Natur- und Ingenieurwissenschaften, aber auch in der industriellen Prozesstechnologie – schaffen Arbeitsmärkte, welche die internationale Arbeitsteilung, Sozialsysteme, Gesellschaften und Wissenssysteme ähnlich grundlegend verändern werden wie die technologischen Umbrüche zu Beginn der industriellen Revolution im Übergang zum 19. Jahrhundert.
Die Diskussionen, die rund um den Begriff „Industrie 4.0“ geführt werden, sind nur ein Auftakt dazu, diese weitreichenden Dynamiken angemessen zu verstehen, und zu gestalten. Diese Innovationsschübe berühren alle Dimensionen der Agenda 2030 in einem fundamentalen Sinne. Die in der Agenda 2030 enthaltenen Ziele thematisieren dies jedoch kaum. Die etablierte Nachhaltigkeitsforschung untersucht sie bisher nur am Rande oder gar nicht.

Die Forschung am ICB will hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Im Zentrum werden die Forschungsschwerpunkte Digitalisierung und künstliche Intelligenz und Bioökonomie stehen.

Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) werden in den kommenden Dekaden Weltwirtschaft und internationale Arbeitsteilung sowie Gesellschaft, Politik, Ordnungssysteme und das Denken der Menschen sowie seine Arbeitswelt fundamental verändern. Dabei sind die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung, KI und Nachhaltigkeit vor allem durch hohe Unsicherheiten, hohe Veränderungsgeschwindigkeiten, große Wissensdefizite und vielfältige Gestaltungsherausforderungen gekennzeichnet. Die SDGs mit der Agenda 2030 haben die Dynamik und die tiefgreifenden Veränderungsprozesse durch Digitalisierung und KI nicht antizipiert, sondern erwähnen nur zuweilen die Chancen von „Informations- und Kommunikationstechnologien“ und die Digitale Ungleichheit.

Der Innovations-Campus Bonn soll dazu beitragen, die Themen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz in der Nachhaltigkeitsforschung zu verankern.

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Veränderte Ordnungs­systeme

Global vernetzte Kommunikation, transnationale Netzwerke, neue Akteurskonstellationen und tektonische Machtverschiebungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Verhältnis zwischen transnational mobilen Akteuren (u.a. Investoren und Unternehmen, internationalen NGOs, Migrierende) und stationären Akteuren (wie Regierungen, vulnerablen Bevölkerungsgruppen) ist in Bewegung. Neue Kommunikationstechnologien etwa erlauben sehr unterschiedlichen Akteuren, sich transnational zu vernetzen und zu agieren.

Wie Transformationsallianzen und Strategien zur Umsetzung der Agenda 2030 gestaltet werden und was „transformative governance“ ausmachen könnte, sind zentrale Fragen, denen sich der ICB annimmt. Denn es entstehen neue, hoch dynamische Beziehungen, die der Aufrechterhaltung manifester und bisher etablierter Grenzziehungen entgegenstehen. Sie erfordern neuartige Problemlösungen, Governance-Strukturen und -Prozesse. Die sich verändernden Ordnungssysteme und Vernetzungen schlagen sich in einem Spannungsfeld zwischen Beharrung, Auflösung und Neuaushandlung von Grenzen, Autoritäten, Souveränitäten und Verantwortlichkeiten nieder.

Diesem Bereich widmet der ICB seinen Forschungsschwerpunkt Mobilität und Migration.

Die Gegenwartsgesellschaft zeichnet sich durch eine zunehmende Mobilität sowohl im geographischen als auch im gesellschaftlichen Sinne aus. Bei der geographischen Mobilität und Migration sind zunächst die klassischen Faktoren zu nennen, wie Konflikte, ökonomische Triebkräfte, Katastrophen und in Zukunft vermutlich klimabedingte Umweltveränderungen. Die zweite wichtige Dimension der Mobilität ist die soziale in vertikaler Form (sozialer Aufstieg) sowie in lateraler Hinsicht, indem ein normales Berufsleben immer vielfältiger wird. Wissenschaftlich-technische Fortschritte, welche die sozialen Ordnungen fundamental ändern und der Menschheit bzgl. ihrer geographischen und sozialen Mobilität grundlegend neue Möglichkeiten bieten, stellen diese Mobilität vor entscheidende neue Herausforderungen. Diese vielfältigen Interaktionen zwischen diesen verschiedenen Dimensionen der Mobilität, sind bisher kaum Gegenstand der Nachhaltigkeitsforschung.

Der Innovations-Campus Bonn (ICB) soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.

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Leitbilder im Wandel

Nicht nur Technologien und Governance-Strukturen befinden sich im Umbruch, sondern auch gesellschaftliche Leitbilder und Entwicklungsvorstellungen. Die Agenda 2030, die erstmals die Entwicklungsdefizite aller Länder – nicht nur der „Entwicklungsländer“ – anspricht, bietet dafür eine breite Diskussionsgrundlage. Ziel dieser Diskussion muss es sein, im Spannungsfeld der sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedürfnisse innovative Lösungen zu finden.

Die Forschung dazu konzentriert sich am ICB vor allem auf den Forschungsschwerpunkt Bioökonomie, mit den Zielen nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum in einer Welt von 9 bis 10 Milliarden Menschen. Zentrale Elemente sind dabei die Umstellung von einer fossile Rohstoffe und Ressourcen abbauenden Wirtschaft auf eine emissionsarme Kreislaufwirtschaft, die auf nachwachsenden Ressourcen, nachhaltig genutzten Ökosystemen mit Pflege der Biodiversität sowie biologischen Innovationen basiert.

Die Zukunft der Menschheit wird zum großen Teil von einem zuverlässigen und sicheren Zugang zu Nahrung und der nachhaltigen Nutzung von Energie, Wasser und Rohstoffen abhängen. Mit Blick auf den Klimawandel und sich verknappende Ressourcen spielen dabei erneuerbare Quellen und deren Basis eine zentrale Rolle. Die Agenda 2030 sowie das Pariser Klimaabkommen zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen werden nur durch eine Überwindung der gegenwärtigen Ressourcennutzung erreichbar sein. Aus Bevölkerungswachstum, steigenden Ernährungsanforderungen und Umweltbelastungen ergeben sich zentrale Zielkonflikte der nachhaltigen Entwicklung um höhere Lebensstandards, begrenzte Anbauflächen mit zunehmender Bodendegradation, schrumpfenden Wasservorräten, Verlust der Biodiversität.

Der Innovations-Campus Bonn (ICB) soll zu Lösungen für diese Herausforderungen und Zielkonflikte im Spannungsfeld zwischen sozialen, ökologischen und ökonomischen Randbedingungen beitragen.

Unser Förderer

Die Bonner Allianz für Nachhaltigkeitsforschung/ Innovations-Campus Bonn (ICB) wird gefördert vom