Die Stadt Bonn vereinigt eine einmalige Kombination von Forschung, Ausbildung und Politikberatung zum Zukunftsthema der nachhaltigen Entwicklung. Bonn ist nicht nur ein akademisches Zentrum, sondern auch der Standort der UN in Deutschland. Die 20 UN-Organisationen, mit dem Klimasekretariat als bekanntester Einrichtung, sind in ihrer großen Mehrheit auf Themen rund um die Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Unter der Federführung der Exzellenz-Universität Bonn haben sich eine Reihe von führenden Akteuren in Forschung und Ausbildung, darunter die UN-Universität, zur Bonner Allianz für Nachhaltigkeitsforschung zusammengeschlossen. Der in Trägerschaft der Bonner Allianz im Aufbau befindliche Innovations-Campus Bonn (ICB) hat zum Ziel, die vorhandenen wissenschaftlichen Spitzenkompetenzen in der Nachhaltigkeitsforschung zu bündeln und mit neuen Komponenten zu einem einzigartigen internationalen Wissenschaftszentrum auszubauen. Nachhaltigkeitsforschung soll im direkten Austausch und Dialog mit Politik, Gesellschaft und Wirtschaft von der lokalen bis hin zur globalen Ebene hin stattfinden.

Die Nachhaltigkeit als Zukunftsthema

2015 verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung. Mit ihr drückt die internationale Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Die Agenda 2030 mit 17 definierten Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG’s, Sustainable Development Goals) stellt eine Grundlage dafür dar, wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten – und dies weltweit („Leaving no one behind“).

Die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung kann allerdings nur gelingen, wenn nicht nur die Ziele, sondern zugleich auch zentrale Treiber eines solchen globalen Wandels betrachtet werden. Diese lassen sich in drei Kategorien zusammenfassen: technische Umbrüche, veränderte Ordnungssysteme und Leitbilder im Wandel . Diese Treiber nehmen auf sämtliche Prozesse nachhaltig Einfluss. Sie verändern, beschleunigen, verlangsamen Transformationsprozesse, oder richten sie gar ganz neu aus: Der Begriff der Nachhaltigkeit selbst unterliegt der Transformation.

Das Ziel des Innovations-Campus Bonn (ICB) ist es, diese Dynamiken inter- und transdisziplinär in drei Forschungsschwerpunkten zu erforschen:
Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Mobilität und Migration, und Bioökonomie.

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Technologische Umbrüche

Die gegenwärtige wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen – in allen Bereichen der Natur- und Ingenieurwissenschaften, aber auch in der industriellen Prozesstechnologie – schaffen Arbeitsmärkte, welche die internationale Arbeitsteilung, Sozialsysteme, Gesellschaften und Wissenssysteme ähnlich grundlegend verändern werden wie die technologischen Umbrüche zu Beginn der industriellen Revolution im Übergang zum 19. Jahrhundert.
Die Diskussionen, die rund um den Begriff „Industrie 4.0“ geführt werden, sind nur ein Auftakt dazu, diese weitreichenden Dynamiken angemessen zu verstehen, und zu gestalten. Diese Innovationsschübe berühren alle Dimensionen der Agenda 2030 in einem fundamentalen Sinne. Die in der Agenda 2030 enthaltenen Ziele thematisieren dies jedoch kaum. Die etablierte Nachhaltigkeitsforschung untersucht sie bisher nur am Rande oder gar nicht.

Die Forschung am ICB will hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Im Zentrum werden die Forschungsschwerpunkte Digitalisierung und künstliche Intelligenz und Bioökonomie stehen.

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Veränderte Ordnungs­systeme

Global vernetzte Kommunikation, transnationale Netzwerke, neue Akteurskonstellationen und tektonische Machtverschiebungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Verhältnis zwischen transnational mobilen Akteuren (u.a. Investoren und Unternehmen, internationalen NGOs, Migrierende) und stationären Akteuren (wie Regierungen, vulnerablen Bevölkerungsgruppen) ist in Bewegung. Neue Kommunikationstechnologien etwa erlauben sehr unterschiedlichen Akteuren, sich transnational zu vernetzen und zu agieren.

Wie Transformationsallianzen und Strategien zur Umsetzung der Agenda 2030 gestaltet werden und was „transformative governance“ ausmachen könnte, sind zentrale Fragen, denen sich der ICB annimmt. Denn es entstehen neue, hoch dynamische Beziehungen, die der Aufrechterhaltung manifester und bisher etablierter Grenzziehungen entgegenstehen. Sie erfordern neuartige Problemlösungen, Governance-Strukturen und -Prozesse. Die sich verändernden Ordnungssysteme und Vernetzungen schlagen sich in einem Spannungsfeld zwischen Beharrung, Auflösung und Neuaushandlung von Grenzen, Autoritäten, Souveränitäten und Verantwortlichkeiten nieder.

Diesem Bereich widmet der ICB seinen Forschungsschwerpunkt Mobilität und Migration.

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Leitbilder im Wandel

Nicht nur Technologien und Governance-Strukturen befinden sich im Umbruch, sondern auch gesellschaftliche Leitbilder und Entwicklungsvorstellungen. Die Agenda 2030, die erstmals die Entwicklungsdefizite aller Länder – nicht nur der „Entwicklungsländer“ – anspricht, bietet dafür eine breite Diskussionsgrundlage. Ziel dieser Diskussion muss es sein, im Spannungsfeld der sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedürfnisse innovative Lösungen zu finden.

Die Forschung dazu konzentriert sich am ICB vor allem auf den Forschungsschwerpunkt Bioökonomie, mit den Zielen nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum in einer Welt von 9 bis 10 Milliarden Menschen. Zentrale Elemente sind dabei die Umstellung von einer fossile Rohstoffe und Ressourcen abbauenden Wirtschaft auf eine emissionsarme Kreislaufwirtschaft, die auf nachwachsenden Ressourcen, nachhaltig genutzten Ökosystemen mit Pflege der Biodiversität sowie biologischen Innovationen basiert.

Der Innovations-Campus Bonn (ICB) setzt mit seiner Forschung zunächst in drei Bereichen an:

Unsere Förderer

Die Bonner Allianz für Nachhaltigkeitsforschung/ Innovations-Campus Bonn (ICB) wird gefördert vom